
Der Kleine Prinz im (Laternen-) Lichte freimaurerischer Betrachtung
Der Kleine Prinz (Das Original: Zeichnung von Saint-Exupéry Foto: rauch-Verlag)
Vom Wesentlichen und dem Unsichtbaren
Der Kleine Prinz im (Laternen-) Lichte freimaurerischer Betrachtung
„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Mit diesem Satz aus Der Kleine Prinz schuf Antoine de Saint-Exupéry ein Werk von zeitloser Tiefe. Hinter der scheinbaren Einfachheit verbirgt sich ein Gleichnis über Erkenntnis, Verantwortung und den inneren Weg des Menschen – Themen, die auch in der freimaurerischen Arbeit von zentraler Bedeutung sind.
Der Kleine Prinz erscheint dabei wie eine Figur auf einer initiatischen Reise. Er verlässt seinen Heimatplaneten und begegnet verschiedenen archetypischen Gestalten – dem König, dem Eitlen, dem Geschäftsmann und dem Laternenanzünder. Jede dieser Figuren steht für eine bestimmte menschliche Haltung und zugleich für eine Form der Unvollkommenheit, die der inneren Arbeit bedarf.

Eine initiatische Reise mit Prüfungen
Gerade hier zeigt sich eine bemerkenswerte Parallele zur freimaurerischen Symbolik: Auf seinen Wanderungen muss der Geselle Versuchungen wie Macht, Ruhm und materiellen Besitz widerstehen, um schließlich zur Erkenntnis und zum Licht zu gelangen. Diese Versuchungen spiegeln sich in den Begegnungen des Kleinen Prinzen wider. Der König verkörpert die Macht, der Eitle das Streben nach Anerkennung, der Geschäftsmann die Fixierung auf Besitz. Der Kleine Prinz erkennt die Leere dieser Haltungen und lässt sich nicht von ihnen verführen. Er schreitet weiter – wie ein Suchender, der sich nicht vom Äußerlichen blenden lässt.
Begegnungen und symbolische Bedeutungen
Der Laternenanzünder nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Anders als die anderen Figuren erfüllt er seine Aufgabe mit Pflichtbewusstsein und Hingabe, auch wenn sie sinnlos erscheint. In ihm zeigt sich ein Gegenbild: der Mensch, der seiner Verantwortung treu bleibt. Auch dies ist ein Motiv, das in der freimaurerischen Arbeit anklingt – die Verlässlichkeit im Handeln und die Treue zum übernommenen Auftrag.

Zentral ist die Begegnung mit dem Fuchs. Hier wird eine Wahrheit formuliert, die auch im freimaurerischen Denken ihren Platz hat:
„Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“
Bedeutung entsteht durch Beziehung, Verantwortung durch Bindung. Erkenntnis ist hier kein abstraktes Wissen, sondern gelebte Erfahrung.
Sinnliches Erleben und Deutungen
Auch das Motiv des Sehens spielt eine entscheidende Rolle. Der Kleine Prinz lernt, dass das Wesentliche unsichtbar ist. Diese Einsicht steht in enger Verbindung zur freimaurerischen Symbolik, die davon ausgeht, dass Wahrheit nicht unmittelbar sichtbar ist, sondern erschlossen werden muss – durch Reflexion, Erfahrung und innere Arbeit.
So wird die Reise des Kleinen Prinzen zu einem Sinnbild für den Weg des Menschen: ein Weg, der nicht über äußeren Erfolg führt, sondern über Erkenntnis, Verantwortung und die Hinwendung zum Wesentlichen. In dieser Lesart erscheint das Werk nicht nur als poetisches Märchen, sondern als stille Anleitung zur Selbstprüfung.
Abschied und Übergang
Eine letzte, besonders tiefgehende Deutung eröffnet sich im Abschied des Kleinen Prinzen. Sein scheinbarer Tod – der bewusste Schritt zurück zu seinem Stern – lässt sich als initiatischer Übergang verstehen. In vielen symbolischen Traditionen markiert der Tod nicht das Ende, sondern eine Wandlung: das Ablegen des Alten zugunsten einer neuen, höheren Erkenntnisstufe. Auch im freimaurerischen Denken finden sich Motive des symbolischen Sterbens und Wiedergeborenwerdens, die den Übergang zu einem vertieften Bewusstsein markieren.

Der Kleine Prinz legt gewissermaßen seine irdische Hülle ab, um zu seinem Ursprung zurückzukehren. In freimaurerischer Lesart lässt sich dieser Übergang auch als Bewegung „vom Winkel zum Zirkel“ deuten: vom Irdischen, Begrenzten und Materiellen hin zum Geistigen, Umfassenden und Universellen. Für den zurückbleibenden Erzähler bleibt nur die Erinnerung – und die Aufgabe, das Erkannte weiterzutragen. Damit verschiebt sich die Perspektive: Der eigentliche „Eingeweihte“ ist nicht nur der Kleine Prinz selbst, sondern auch derjenige, der seine Lehre versteht.
Vielleicht liegt gerade darin die bleibende Kraft des Werkes. Denn wie in der freimaurerischen Arbeit beginnt auch hier alles mit einem einfachen Schritt: dem Blick nach innen – und endet nicht dort, sondern führt weiter in eine tiefere, bewusstere Form des Seins.
Antoine de Saint-Exupéry

Das Buch Der Kleine Prinz gilt als das weltweit meist verkaufte Werk nach der Bibel und dem Koran. Es wurde in fast 500 Sprachen und Dialekte übersetzt, natürlich auch ins Lateinische („Principulus“). Die Popularität seines Helden kann es mit der von Asterix, Harry Potter und Winnetou aufnehmen, aber im Unterschied zu jenen anderen Ikonen der Populärkultur fand Der Kleine Prinz keine Fortsetzung.
Sein Schöpfer, der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry, starb ein Jahr nach Erscheinen des Buches, am 31. Juli 1944. Vielleicht hätte der bald einsetzende globale Erfolg ihn zu einem zweiten Teil verführt, aber so blieb es bei dem überschaubaren Büchlein in 27 meist hingetupften Kapiteln. Wahrscheinlich macht es einen Teil des Mythos aus, dass der Text so kurz ist – und damit offen für alle möglichen Interpretationen philosophischer, religiöser und politischer Lesart. (Quelle: Deutschlandfunk Kultur)
Abschuss am 31.07.1944
Als die Alliierten 1942 in Nordafrika landeten, schloß sich Saint-Exupéry sogleich der Armee von General de Gaulle an. 1943 wurde er im Auftrag der Air Force zunächst in Algerien und später auf Sardinien stationiert. Am 31. Juli 1944 startete er in seiner Lockheed P-38 Lightning von der Insel Korsika zu einem Fernaufklärungsflug in Richtung Südfrankreich, von dem er nicht wieder zurückkehrte.

Laut einem Fernseh-Interview mit einem deutschen Veteranen aus dem II. Weltkrieg wurde Exupéry von diesem bedauerlicherweise abgeschossen. Horst Rippert (85), früher Kampfpilot, später ZDF-Sportreporter:
Es ist in der Nähe von Toulon passiert. Er flog unter mir. Ich war über der See auf einem Aufklärungsflug. Er habe das französische Hoheitszeichen am Flugzeug gesehen, sei eine Kurve geflogen und habe sich hinter den französischen Flieger gesetzt ... Dann habe er ihn abgeschossen. Wenn ich gewusst hätte, dass das Saint-Exupéry war, hätte ich niemals geschossen, niemals. (Quelle: Freimaurer Wiki)