
Blick in den Friedenspark
Krieger- und Reservistenkameradschaften in Siegenburg und Niederumelsdorf
Frieden braucht Wurzeln –
Was ein Kriegerverein uns lehren kann
Wenn Freimaurer vom Tempelbau sprechen, meinen sie weit mehr als das Errichten von Mauern. Es geht um den Aufbau einer menschlicheren Gesellschaft, um Versöhnung, Verantwortung und die Bereitschaft, heute etwas zu schaffen, dessen Früchte vielleicht erst kommende Generationen ernten werden. Ein bemerkenswertes Beispiel für dieses Denken findet sich derzeit in Niederbayern.
Aus einer Idee wurde ein Friedenspark
Ausgehend von den Krieger- und Reservistenkameradschaften in Siegenburg und Niederumelsdorf entstand Anfang 2025 die Idee, einen Friedenspark anzulegen. Unterstützt von Bürgermeister Dr. Johann Bergermeier und zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern wurde eigens ein Förderverein gegründet, dessen Ziel ebenso einfach wie eindrucksvoll ist: Für jedes Friedensjahr in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs soll ein Baum gepflanzt werden. [1]
Was zunächst als symbolische Pflanzaktion begann, entwickelte sich innerhalb weniger Monate zu einem Gemeinschaftsprojekt der gesamten Marktgemeinde.

Bereits zum ersten Friedensfest im Juni 2025 konnten die ersten Bäume gesetzt werden. Heute umfasst der Park bereits über fünfzig Bäume, die gegen Hitze und Trockenheit widerstandsfähig sein sollen. Wege, ein Rondell als Ort der Begegnung und ein zentraler Platz laden zum Verweilen, Nachdenken und zum Dialog ein. Die Initiatoren sprechen bewusst von einem lebendigen Denkmal – nicht für militärischen Ruhm, sondern für Frieden, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt. [2]
Erinnerung mit Blick nach vorn
Bemerkenswert ist, wer hinter diesem Projekt steht. Kriegervereine werden häufig ausschließlich mit Gefallenengedenken oder Traditionspflege verbunden. Der Friedenspark zeigt jedoch eine andere Entwicklung: Aus der Erinnerung an Krieg erwächst der Wille, den Frieden aktiv zu gestalten.
Dr. Dr. Maximilian Ohneis, Vorsitzender des Fördervereins und zugleich Vorsitzender der Krieger- und Reservistenkameradschaft Siegenburg, formulierte den Gedanken deutlich:
„Frieden ist keine Selbstverständlichkeit, sondern müsse immer wieder neu erarbeitet und verteidigt werden. Fremdenfeindlichkeit, Hass und Extremismus seien mit diesem Ziel unvereinbar.“
Der Park solle deshalb nicht nur Erinnerungsort, sondern vor allem Mahnung und Begegnungsstätte sein. [2]
Gerade dieser Perspektivwechsel verdient Aufmerksamkeit.
Der Baum als freimaurerisches Symbol
Das Bild des Baumes eignet sich hervorragend um das freimaurerisches Denken zu veranschaulichen.
Ein Baum wächst langsam. Seine Wurzeln bleiben verborgen, während seine Krone dem Licht entgegenstrebt. Er verbindet Himmel und Erde, Vergangenheit und Zukunft. Wer einen Baum pflanzt, handelt selten für den eigenen Nutzen. Er denkt in Jahrzehnten.
Auch wir Freimaurer arbeiten an einem Werk, dessen Vollendung wir selbst vielleicht nie erleben werden. Unsere Arbeit gilt nicht dem schnellen Erfolg, sondern der stetigen Verbesserung des Menschen und der Gesellschaft. Deshalb besitzt die Idee des Friedensparks eine tiefe Symbolik.
Jeder Baum steht für ein Jahr ohne Krieg auf deutschem Boden. Gleichzeitig erinnert jeder Baum daran, dass Frieden nichts Starres ist. Er wächst oder er verkümmert – je nachdem, ob Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Aus kleinen Handlungen entstehen große Werke
Beeindruckend ist die Art, wie dieses Projekt verwirklicht wurde. Privatpersonen, Vereine, Unternehmen übernehmen Baumpatenschaften. Bürger engagieren sich freiwillig bei Pflanzaktionen, Pflegearbeiten und Festen. Die Gemeinde unterstützt das Projekt organisatorisch und infrastrukturell. Selbst Fördermittel aus der Regionalentwicklung konnten für die Ausstattung des Parks – etwa Sitzgelegenheiten, eine Gerätehütte und Informationstafeln – eingeworben werden. [3]
Auch die Johannis-Freimaurerloge „Ad Fontes“ beteiligt sich an diesem Projekt und stiftet eine Akazie für das Friedensjahr 2003. Dieses Jahr ist für uns Ausdruck unserer Überzeugung, dass wahrer Friede dort beginnt, wo Menschen den Mut haben, sich gegen Krieg auszusprechen, wo Gewalt nicht als selbstverständlich hingenommen wird, wo sich Menschen und Nationen zusammenschließen, um an friedlichen Lösungen zu arbeiten.

Die Akazie – seit jeher ein bedeutungsvolles Symbol der Freimaurerei – soll uns und zukünftige Generationen an unsere bleibende Verpflichtung erinnern, Frieden, Humanität und Brüderlichkeit zu fördern und Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen.
Damit entsteht kein Denkmal aus Stein, sondern ein Ort, der lebt. Kinder spielen dort, Spaziergänger verweilen, Vereine feiern gemeinsam das jährliche Friedensfest. Ein geplanter runder Tisch im Zentrum des Parks soll künftig ausdrücklich zum Gespräch und zum Austausch einladen – ein schönes Sinnbild dafür, dass Frieden immer im Dialog beginnt. [4]
Der große Renaissance-Humanist Erasmus von Rotterdam schrieb einst:
„Ich wünsche Weltbürger zu sein, allen zu gehören, oder besser noch Nichtbürger bei allen zu sein. Möchte ich doch das Glück haben, in die Bürgerliste der himmlischen Stadt eingetragen zu werden! Denn dahin strebe ich.“
Dieser Gedanke einer Menschheitsgemeinschaft jenseits von Grenzen und Gegensätzen entspricht auch unserem freimaurerischen Selbstverständnis.
Eine Botschaft, die Schule machen könnte
Solche Initiativen zeigen, dass Traditionsvereine heute weit mehr sein können als Bewahrer der Vergangenheit.
Sie können Brückenbauer sein. Sie können Erinnern und Zukunft miteinander verbinden.
Und sie können durch konkrete Taten zeigen, dass aus dem Gedenken an Krieg eine Kultur des Friedens erwachsen kann.
Ein Bauwerk ohne Ende
Der Friedenspark in Siegenburg ist noch nicht vollendet.
Jedes weitere Friedensjahr wird einen neuen Baum erhalten. Solange Frieden bewahrt bleibt, wächst der Park weiter.
Vielleicht liegt gerade darin die schönste freimaurerische Botschaft.
Auch unser Tempel der Humanität wird niemals fertig sein. Jede Generation setzt einen weiteren Stein. Jeder Mensch pflanzt seinen eigenen Baum. Jede gute Tat schlägt Wurzeln, auch wenn wir ihren Schatten selbst vielleicht nie erleben.
So erinnert uns der Friedenspark daran, dass wahrer Fortschritt nicht durch große Worte entsteht, sondern durch Menschen, die Verantwortung übernehmen – still, beharrlich und mit dem Blick auf diejenigen, die nach uns kommen. Denn Frieden ist kein Zustand. Frieden ist eine Aufgabe.
Primärquellen
[1]: https://www.siegenburg.de/markt-ortsteile/marktblatt/2025/Marktblatt%20Ausgabe%2003_2025%20fuer%20die%20Homepage.pdf
Ausgabe 03/25 | März 2025 | Monatliche Informationen und Aktuelles aus Siegenburg
[2]: https://www.siegenburg.de/markt-ortsteile/marktblatt/2025/Marktblatt%20Ausgabe%2006_2025%20online.pdf
Ausgabe 06/25 | Juni 2025 | Monatliche Informationen und Aktuelles aus Siegenburg
[3]: https://www.abensberg.de/aktuelles/ile-abens-profitieren-von-fordergeldern-aktuelles-19174
ILE ABeNS profitieren von Fördergeldern – 11.05.2026 – Aktuelles aus Abensberg und Umgebung
[4]: https://www.mittelbayerische.de/lokales/landkreis-kelheim/ein-gigantisches-erstes-jahr-geht-in-siegenburg-zu-ende-20553460